Montag, 9. Oktober 2006

Störst av allt (Carola)

Schade, das Wochenende ist schon wieder vorbei. Es war ein richtiges Familien-Wochenende, denn am Freitag kam zunächst Inkkis Schwester Astrid aus Stockholm zu Besuch. Kurzentschlossen hatte sie ein paar freie Tage und ein günstiges Ryanair-Angebot genutzt. Es ist immer schön den neuesten Klatsch der schwedischen Schlagerszene aus erster Hand zu erfahren, wobei die Nachricht, dass Carola eine arrogante Kuh ist, weder neu noch überraschend war. 

Darf ich die kleine Story jetzt hier ausplaudern? Ich glaube schon. Eine Bekannte von Astrid arbeitet bei einer kommunalen Stockholmer Behörde und ist dort u.A. für die Ausstellung von Pässen zuständig. Nun begab es sich also, dass besagte Carola (in Schweden unvergleichlich populär) in die Amtsstune schneite und nach einem neuen Pass verlangte. Fest im Glauben sich als Superstar dem normalen Vorgehen entziehen zu können, hatte sie jedoch überhaupt keine Ausweispapiere dabei. Astrids Bekannte wies sie daraufhin, dass sie so keinen Pass ausstellen könne, sie brauche wenigstens eine Personalnummer oder so was in der Art. Das war natürlich gleich eine Majestätsbeleidigung. “Weißt Du denn nicht wer ich bin? Ich brauche so was nicht!”. Astrids Bekannte blieb löblicherweise konsequent, die Kollegin vom Nachbartisch mischte sich dann aber ein: “Ich kann für Carola auch so einen Pass ausstellen.“, säuselte sie ganz devot. Ekelhaft was für Schleimer es doch offensichtlich auch in Schweden gibt. 

Am Samstag war dann ausgiebiges Shoppen angesagt. Der folgende Abend wurde leider von heftigen Ohrenschmerzen bei Jesper überschattet. Inkki war schon wieder kurz davor zur Notfallklinik zu fahren, letztlich genügte dann aber eine SMS-Konsultation bei Sara (z.Z. in Norwegen), die als Ärztin zu Paracetamol riet, was dann auch bestens funktionierte. Am Sonntagmorgen war Jesper fit wie ein Turnschuh. An dieser Stelle auch mal ein herzlicher Gruß an Sara, die auch immer mal wieder hier in diesem Blog vorbeischaut! Darf ich deine Homepage verlinken? Hoffe doch, wenn nicht bitte kurze Info! Dort gibt es fantastische Fotos von den Lofoten zu bewundern, wo Sara gerade lebt und arbeitet! Am Sonntagmittag startete Astrid dann wieder zum putzigen, kleinen Flughafen in Weeze und wir machten uns auf den Weg zur Taufe meiner kleinen Nichte Karla. Die Zeremonie wurde von einem ganz besonders sympathischen, älteren Priester übernommen, der auch Jesper immer wieder sehr nett miteinbezogen hat. Zum Abschluß gab es sogar noch eine Tafel Schokolade für ihn. Karla hat das ganze Prozedere prima mitgemacht und hat ihre Tauftorte mit sichtlichem Genuß verputzt. Okay, ein Stück ihrer Tauftorte. Nun bin ich also offiziell Patenonkel und freue mich darüber!

Samstag, 9. September 2006

Taste The Pain

Wenn ich momentan auf mein last-fm Plug-in schaue, dann wird mir selbst ganz merkwürdig in der Magengegend. Zuletzt gehört: Mekado – Wir geben ‘ne Party, Wind – Lass die Sonne in dein Herz, Heike Schäfer – Die Glocken von Rom usw…usw… Was ist da passiert? 
Ganz einfach, der Postbote war da und hat mir die herrliche DVD/CD Ralph Siegel – Mister Grand Prix gebracht. Alle Grand Prix Auftritte von 1972 bis 2005 auf DVD und 20 Songs auf Audio-CD. Das ist in etwa so wie bei einem Unfall auf der Autobahn. Schrecklich ist es zwar, aber man muss doch hingucken! 

Heute Abend werden wir uns das ganze Machwerk dann anschauen und dabei ein leckeres Käsefondue genießen. Inkki meinte nämlich, das sei eine richtige Käsefondue-DVD. Na dann!

Mittwoch, 21. Juni 2006

Hard Rock Hallelujah!

Jaaaa! 

Es ist einfach immer noch unfassbar. Nach Jahrzehnten der Demütigung hat Finnland tatsächlich den Eurovision Song Contest gewonnen!!! 

Dass Lordi das Finale erreicht hatten fand ich schon toll, aber für dieses Finale hatte ich auf einen Platz 8 getippt. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass sie tatsächlich gewinnen würden. Die Nervosität beim Beginn des Votings war bei Inkki und mir gewaltig. Erstes Voting aus Slowenien. Der Slowene an sich ist nicht eben als besonderer Verehrer finnischer Musiker bekannt. Doch es gab gleich acht Punkte! Was für ein Beginn! Da schon ahnten wir, dass das Unmöglich wirklich passieren könnte. Auch bei den nächsten Wertungen purzelten die Punkte eifrig und jedes mal erklang ein Schrei bei uns. Schon zur Hälfte des Votings wurden wir dann viel entspannter, da der finnische Sieg sich immer deutlicher abzeichnete. 

Was heißt das nun für uns? Ab nach Helsinki im nächsten Mai. Diese Chance lassen wir uns nicht entgehen. Wir wollen unter allen Umständen live dabei sein wenn der ESC endlich in Finnland stattfinden wird.

Sonntag, 9. April 2006

Panagia mou, panagia mou

Der nächste Eurovision Song Contest rückt immer näher, in sechs Wochen ist es schon so weit. Zur Einstimmung habe ich mir gestern ein altes Schätzchen auf DVD angeschaut, nämlich den Wettbewerb aus dem Jahre 1976. Klar, diese alten ESC haben einen gewissen kuriosen Reiz und die dort zu sehenden Langhaarfrisuren und Koteletten bieten immer wieder Gelegenheit zum Schmunzeln. Choreographien wie man sie heutzutage sieht waren noch kaum zu sehen. Ein kokettes Winken und Hüftenwippen waren schon das höchste der Gefühle. Musikalisch waren die meisten Beiträge von 1976 eindeutig im Seichten angesiedelt, so natürlich die Sieger Brotherhood of Man und auch der deutsche Beitrag der Les Humphries Singers. Doch zumindest eine echte Perle habe ich gestern entdeckt. Mariza Koch, die für Griechenland mit „Panagia mou, panagia mou“ an den Start ging. Was für eine tolle Stimme und was für ein mitreißendes Lied! Es war deutlich zu spüren, dass sie nicht nur sang um möglichst viele Punkte zu bekommen, sie sang für höhere Ziele. Entgegen dem gültigen ESC-Zeitgeist hatte dieses Lied eine hochpolitische Aussage. 


 “Ein Stück Land voll mit Apfelsinenbäumen, entlang breiten sich die Olivenbäume aus. Die Strände um das Land sind aus Gold und der Abglanz blendet dich. Und wenn ihr eines Tags an diesen Ort kommt und mehrere Zelte nebeneinander seht, wird es kein Camping für Touristen sein. Es ist nur ein Flüchtlingslager.”

Unschwer auszumachen, dass hier die Intervention der Türkei in Nordzypern angeprangert wurde. Dementsprechend nahm die Türkei am ESC 1976 nicht teil und unterbrach kurzerhand die TV-Übertragung während Mariza Kochs beeindruckendem Friedenslied. Den Begriff „Friedenslied“ hat dann sechs Jahre später Nicole mit ihrem Siegertitel „Ein bisschen Frieden“ in Misskredit gebracht. Wie ungerecht doch die Schlagerwelt ist. Wieviel mehr hätte es nicht Mariza Koch verdient gehabt den Wettbewerb zu gewinnen!Sehr auffällig war, dass die ARD scheinbar jeden Anflug von Politik in dieser Show unterbinden wollte. Der Kommentator Werner Veigel erwähnte mit keiner Silbe die eigentliche Bedeutung des Textes, er sprach nur davon, das Lied hätte Anleihen bei einer Volksweise aus Epirus genommen. Auch bei dem nicht minder politischen Lied aus Portugal vermied er entsprechende Andeutungen völlig.

Sonntag, 12. März 2006

Reisewarnung Schweden

Noch mal Thema Eurovision Song Contest: Mein Krankheitsbild hat sich deutlich verschlimmert! Gestern habe ich mir per Webradio die Songs der vierten Vorrunde der schwedischen Vorentscheidung angehört und die Qualität der Lieder, so man denn davon sprechen kann, natürlich ausführlich in den einschlägigen Internetforen diskutiert. Fazit: die Schweden haben einen fürchterlichen Musikgeschmack. Man gibt sich dort immer so liberal, Neuem gegenüber aufgeschlossen und modern, aber wenn es um Musik geht, dann bevorzugt man scheinbar aller altmodischsten Schlagerdreck.

Darum an dieser Stelle folgende Reisewarnung: Verreisen Sie nicht nach Schweden! Sollte es sich dennoch nicht vermeiden lassen, sollten Sie es unter allen Umständen vermeiden das Radio oder Fernsehen einzuschalten. Um bleibenden Schaden von Ihnen oder Ihrer Familie abzuwenden wird dringend empfohlen für die Dauer des gesamten Aufenthalts die Ohren schalldicht zu verschließen. Hierzu empfehlen wir je nach Größe des Lauschers einen passenden Korken, Tampons oder Tischkerzen vom Typ Högtid (erhältlich bei IKEA). 

Ein echtes Highlight habe ich gestern Abend leider verpasst. Die Vorentscheidung in Serbien-Montenegro. Es muss absurd gewesen sein. Der Sieger wurde zum einen Teil durch Telefonvoting, zum anderen durch eine Jury ermittelt. Der Favorit des Publikums kam bei der Jury überhaupt nicht an und so geschah es, dass heftigst gebuht und gepfiffen wurde und sogar Gegenstände auf die Bühne geschmissen wurden. Die zum Sieger erklärte Band hat sich daraufhin nicht wieder auf die Bühne getraut und es ist noch fraglich ob sie tatsächlich im Mai für Sebien-Montenegro antreten werden. Solch spaßige Ekzesse sind heute Abend nicht zu erwarten wenn der Vertreter Hollands ermittelt wird. Zum Glück bin ich hier nicht auf einen ruckeligen Internetstream angewiesen, sondern kann das bequem von der Couch aus genießen. NED2 überträgt nämlich live und ist in Düsseldorf per Kabelanschluss zu empfangen. Der Abend ist gerettet!