Dienstag, 21. Mai 2013

Der alljährliche ESC-Kater

Jedes Jahr aufs Neue befällt mich in den Tagen nach dem großen Finale der ESC-Kater. Monatelang habe ich mich mit nationalen Vorentscheidungen von Island bis Israel befasst, den Sampler rauf und runter gehört, letztlich die Proben begutachtet und semi-wissenschaftliche Prognosen erstellt. Dann kommen die drei Stunden am Samstagabend und plötzlich ist alles vorbei. Ich kann die Songs, die ich mir im Laufe der Wochen schöngehört habe, kaum mehr ertragen und will auch keine Scorecards mehr sehen.

Trotzdem soll auch die Saison 2013 natürlich einen würdigen Abschluss bekommen und darum darf ein Fazit an dieser Stelle natürlich nicht fehlen.

Ich habe den Sieger richtig getippt, was nun nicht gerade eine hohe Kunst war. Immer noch kann ich mich mit "Only Teardrops" nicht anfreunden. Es ist und bleibt ein Song, der im Rahmen des ESC vorzüglich funktioniert, der aber letztlich keine bleibenden Spuren außerhalb des ESC hinterlassen wird. Das hätte der zweitplatzierte Song aus Azerbaidschan freilich auch nicht geschafft und wenn man sich an all die diplomatischen Verrenkungen erinnert, die die EBU und die Delegationen vor Ort im letzten Jahr gemacht haben, kann man nur froh sein, dass uns das für 2014 erspart bleibt. Trotzdem muss man festhalten, dass Azerbaidschan mit seinem Kurs, völlig auf landestypische Elemente in seinen Beiträgen zu verzichten, Jahr für Jahr wieder gut fährt. Nicht auszuschließen, dass es in näherer Zukunft mal wieder heißt: auf nach Baku!

Die positivste Überraschung des Abends war für mich, dass aus Deutschland satte 12 Punkte nach Ungarn gingen. Nicht zuletzt aus diesem Grund reichte es am Ende für einen geradezu sensationellen zehnten Platz. Glückwunsch!

Insgesamt desaströs war mal wieder das Abschneiden der Big Five. Einzig Italien stach hier mit dem siebten Platz hervor. Die anderen vier sind ausnahmslos in den südlichen Regionen des Tableaus wiederzufinden. Nicht zu Unrecht. Deren Beiträge waren, wie eigentlich jedes Jahr, uninspiriert und es war wenig Begeisterung für den Contest an sich auszumachen. Business as usual also.

In den nächsten Wochen werde ich mich meinem ESC-Kater völlig hingeben und alles was nach Song Contest klingt, komplett ignorieren. Dann wird sich auch langsam wieder die Vorfreude auf die nächste Saison einstellen. Trotzdem werden hier auch in der Sommerpause immer wieder mal Beiträge aufploppen. Es ist ja nicht so, dass es nach mittlerweile 58 Jahren ESC nicht immer was zu erzählen gäbe.

Bis dahin also!