Mittwoch, 15. Mai 2013

Semifinale 1 - Das Fazit

Sechs Richtige. Was beim Lotto Anlass zu Freudensprüngen wäre, ist bei meiner Prognose für das gestrige Semifinale eigentlich nur als desaströs zu bezeichnen. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal so daneben gelegen zu haben. Das Ergebnis ist einen genaueren Blick wert. Es bleibt festzuhalten, dass sämtliche vier Teilnehmer aus Ex-Jugoslawien gescheitert sind. So etwas wäre vor Einführung der anteiligen Jurywertungen undenkbar gewesen. Ebenso undenkbar war es bisher aber auch, dass diese Länder dermaßen mediokre Titel an den Start schicken. Letztlich hatten es Slowenien, Kroatien, Montenegro und Serbien schlichtweg nicht verdient, sich am kommenden Samstag auf der großen Bühne präsentieren zu dürfen.
Nun einige Anmerkungen zu den qualifizierten Titeln.

Dänemark: Emmelie De Forrest - Only Teardrops 

Ich muss gestehen, dass ich diesem Titel einigermaßen Unrecht getan habe. Was mich auf CD so gar nicht begeistern konnte, kam auf der Bühne dann doch gut rüber. Emmelie war von Anfang bis Ende überraschend stimmsicher. Damit konnte man nach den Eindrücken aus den Proben nicht unbedingt rechnen. Dazu war die Präsentation auf den Punkt. Nicht zu reduziert und nicht zu übertrieben. Letztlich ein Auftritt, der Dänemarks Favoritenrolle zementiert hat.

Russland: Dina Garipova - What If 

Ein hübsches Mädchen, in einem Kleid, mit dem Oma Hilde auf jedem Seniorennachmittag eine gute Figur abgeben würde. Dinas Stimme ist über jeden Zeifel erhaben. Schon beeindruckend, wie routiniert sich eine so junge Sängerin vor Millionen Fernsehzuschauern präsentiert hat. Das Publikum wurde gut in die Choreographie einbezogen und der Finaleinzug, an dem es zu keiner Zeit Zweifel geben konnte, war hochverdient. Eine Top-Ten Platzierung sollte so mindestens möglich sein.

Ukraine: Zlata Ognevich - Gravity 

Ob man sich mit dem Einsatz des 2,34m Manns einen Gefallen getan hat?  Solch ein Gimmick bleibt natürlich beim Zuschauer hängen, rückt aber auch das Lied in den Hintergrund. Außerdem darf man davon ausgehen, dass sich die Juries von solchen Extratouren nicht und wenn doch dann eher negativ beeinflussen lassen. Der disneyeske Titel hat trotzdem einen mehr als konkurrenzfähigen Eindruck hinterlassen und hatte in Zlata (was für ein gruseliger Name!) eine kompetente Interpretin. Auch hier sehe ich eine Top-Ten Platzierung im Bereich des Wahrscheinlichen.

Moldawien: Aliona Moon - O Mie

Was für ein Auftritt! Was für eine Frisur! Großartig. Besser hätte man diese Ballade kaum inszenieren können. Das war ein Genuss für Ohren und Augen. Eigentlich sollte sich Moldawien somit zu einem Mitfavoriten um den Sieg gemausert haben. Das Dark Horse des diesjährigen ESC?

Estland: Birgit Õigemeel - Et uus saaks alguse

Der Hinweis auf Birgits Schwangerschaft fehlte natürlich nicht. Auf Peter Urban ist halt Verlass. Hier wurde alles richtig gemacht. Von Birgit sowieso und von der estnischen Delegation auch. Ein unaufdringlicher Auftritt, der sich in all seiner Schlichtheit bei Zuschauern und Juries entfalten kann. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Top-Ten nur Platz für zehn Titel bieten, aber einer davon sollte doch eigentlich an Estland gehen.

Niederlande: Anouk - Birds

War das spannend? Neun Kandidaten waren bereits im Glückstaumel, sieben mussten noch bangen. Eigentlich war damit zu rechnen, dass zuletzt eine der ehemaligen jugoslawischen Republiken genannt würde und die Niederländer konnten einem schon Leid tun bis dann schließlich doch die erlösende Nennung der Moderatorin kam. Hier werden mit Sicherheit die Juries entscheidend zum Finaleinzug beigetragen haben, denn der Auftritt selbst war nun wirklich nicht direkt mitreißend zu bezeichnen. Wie bereits in meiner Prognose vermutet, kam Anouk seltsam unengagiert rüber und ich halte es auch für nicht wirklich geschickt, sie bei ihrem Auftritt inmitten der Fans zu platzieren. Das wirkt bei einer so unnahbaren Künstlerin nicht. Am Samstag werden ihr die Juries dann zu einer passablen Platzierung verhelfen, allzu weit oben sehe ich sie aber nicht.

Litauen: Andrius Pojavis - Something

Hätte ich mich doch mal getraut, auf Litauen zu tippen! Noch am Nachmittag dachte ich mir, dass garantiert irgendein Titel weiterkommt, den niemand ernsthaft auf dem Schirm hat und der er es eigentlich auch nicht verdient hat. Da war Litauen mein Kandidat erster Wahl. Der Sänger ist vermutlich eher anderweitig begabt und der Titel seines Liedes ist hier Programm. Beliebig und belanglos. Bottom-Five am Samstag scheinen hier vorprogrammiert.

Irland: Ryan Dolan - Only Love Survives

Auch der Einzug Irlands will sich mir nicht so recht erschließen. Das war zwar stimmlich auf der Höhe, den Song würde ich aber eher im ESC 1999 verorten. Zeitgemäß ist das nicht und die Inszenierung war mir dann auch einen Tick zu (sorry!) gay. Irland wird sich im Finale irgendwo jenseits von Gut und Böse wiederfinden.

Weißrussland: Alyona Lanskaya - Solayoh

Meine Frau hat das Erfolgsrezept direkt durchschaut. "Mit so einem Kleidchen kann man wohl bei Kerlen in einigen Regionen Europas punkten." Eine dieser Regionen ist auf jeden Fall Düsseldorf-Unterbilk. Aber abseits des hohen Rocksaums war hier wenig Überzeugendes auszumachen. Gesanglich ok, kompositorisch und choreographisch allerdings eher im tiefpreisigen Segment anzusiedeln. Eigentlich eher was für die untere Hälfte des Tableaus, aus hormonellen Gründen aber vermutlich eher um Platz 10 herum wiederzufinden.

Belgien: Roberto Bellarosa - Love Kills

Ja gut, ich geb's ja zu. Auf Belgien hätte man schon kommen können. Das ist geeignetes Futter fürs Privatradio und für einfältigen Pop gibt es immer eine Zielgruppe. Im Finale wird sich dieses Liedchen dann komplett versenden und Signore Bellarosa grüßt von unten.