Montag, 13. Mai 2013

Semifinale 1 - So wird's kommen...

Morgen Abend findet das erste Semifinale statt und gegen Mitternacht kennen wir dann die ersten 10 Finalteilnehmer neben Schweden und den Big Five. Kein ESC ohne Prognosen, also klopfe ich hier mal die Chancen ab. Um das in aussagekräftige Zahlen zu pressen, lehne ich mich an das Prognosenschema des Prinz-Blogs an. Zehn Kandidaten erreichen mit 100% Wahrscheinlichkeit das Finale. Das macht eine Gesamtwahrscheinlichkeit von 1000%-Punkten, die ich nun auf die 16 Teilnehmer verteile. So ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen hätte mir meine olle Mathelehrerin sicher nicht zugetraut.

Hier nun also meine 10 Finalisten (in Klammern: Wahrscheinlichkeit Top 10)



Dänemark: Emmelie De Forrest - Only Teardrops (100%)



Der Flötenschlumpf fängt an! Das wird ja im Allgemeinen als großer Favorit auf den Sieg angesehen. Auf den Sieg am Samstagabend wohlgemerkt! Ich halte das auch für nicht unwahrscheinlich, aber auf keinen Fall für wünschenswert. Der Song funktioniert ausschließlich in der Parallelwelt ESC und ein evtl. Sieg würde den Contest um Jahre zurückwerfen. Die letzten drei Siegersongs Euphoria, Running Scared und Satellite waren europaweite Hits. Mal etwas kleiner und mal etwas größer, aber allesamt Hits. Das halte ich bei Only Teardrops für komplett ausgeschlossen. Der Song würde in den Playlists der ESC-Partys verkümmern und wäre in der allgemeinen Wahrnehmung ab Montag völlig vergessen.

Russland: Dina Garipova - What If (100%)


Eine Weltverbesserungsballade, um die wir im Finale auf keinen Fall herumkommen werden. Hier werden Werte wie Offenheit, Hilfe für die Schwächeren und Friedfertigkeit hymnisch besungen. Alles Werte, für die kaum ein Land so sehr steht wie Russland. Oh...wait...

Ukraine: Zlata Ognevich - Gravity (100%)


Hier muss es sich eigentlich um das kompositorische Spätwerk von Phil Collins handeln. Vermutlich der Ausschuss vom König-der-Löwen Soundtrack. Aber jetzt will ich mal nicht unnötig gehässig sein denn eigentlich gefällt mir Gravity ganz gut. Da bekommt man in drei Minuten einiges geboten und fühlt sich gut unterhalten. Das ist natürlich weit weg von Innovation und Wagemut, aber es darf ja auch gerne mal was Leichteres sein. Wenn nicht beim ESC, wo dann?



Moldawien: Aliona Moon - O Mie (90%)


Bei der zweiten Probe in Malmö wirkte Aliona schon mal deutlich sicherer als noch bei der moldawischen Vorentscheidung. Der Song geht gut ins Ohr und steigert sich, ganz wie es sich gehört, zum Ende hin ins Melodramtische. Die Bühnenshow bewegt sich allerdings stets gefährlich nah an der Grenze zur Lächerlichkeit.

Estland: Birgit Õigemeel - Et uus saaks alguse (80%)



Hier wird dick aufgetragen! Noch nicht mal unbedingt bei der Komposition oder Choreografie, dafür aber beim Umstandskleid. Dat süße Birgit ist nämlich schwanger.
"Fasst er sie etwa an?!?"
Im vierten oder fünften Monat soll sie sein. Da man in diesem Stadium eigentlich gar nichts sieht, empfiehlt es sich, auf der Bühne ein besonders weit schwingendes Kleid zu tragen und die gesamteuropäischen Kommentatoren eindringlichst darauf zu briefen, die Schwangerschaft bloß nicht unter den Tisch fallen zu lassen (wenn man das in diesem Zusammenhang so sagen darf).
Dabei hat diese große Ballade ein solches Theater eigentlich gar nicht nötig. Ein Lied zum sich reinlegen und drin räkeln. Anfangs hielt ich es noch für einigermaßen langweilig, es hat sich aber im Laufe der Wochen zum echten Grower entwickelt. Außerdem darf ich am Rande erwähnen, dass ich seit Jahren ein großer Freund estnischer Liedkunst bin.

Niederlande: Anouk - Birds (70%)



Hier wird es nun etwas problematisch. Dies ist sicher eines der musikalisch anspruchsvollsten Lieder des Wettbewerbs und schon alleine aus diesem Grund wäre es eine Schande, wenn wir es im Finale nicht wiedersehen würden. Die Interpretin, immerhin seit Jahren einer der größten niederländischen Stars, scheint sich hier nicht so recht wohl zu fühlen. Sie macht zumindest in der Probe den Eindruck als fühle sie sich deplatziert und hätte es eigentlich gar nicht nötig, in solch einem Affenzirkus aufzutreten. Kann ja sogar sein, dass sie damit recht hat, wenn sie das aber den Zuschauer spüren lässt, wird das nichts mit dem Finaleinzug.

Serbien: Moje 3 - Ljubav je Svuda (70%)



Machen wir uns nichts vor, Serbien wird wie fast immer ins Finale kommen. Das kann einem gefallen oder auch nicht. Wie bei wenigen anderen Titeln muss man hier aber mal Song und Bühnenshow trennen. Musikalisch kann das durchaus auf gesamteuropäischem Pop-Radio-Niveau mithalten. Was sich da auf der Bühne abspielt ist allerdings peinlichstes Kasperletheater. Man will uns wohl eine Geschichte von Engelchen und Teufelchen erzählen, die aber komplett im Unklaren bleibt wenn man des Serbischen nicht mächtig ist und nur Bohnensuppe versteht. Versuchen wir also, über diese Auswüchse osteuropäischer Schauspielkunst hinwegzukommen und freuen uns einfach auf den rotesten Schlüpfer, den ein ESC-Finale jemals erlebt hat.

Österreich: Natalia Kelly - Shine (60%)




Österreich ist bisher vier Mal bei einem Semifinale angetreten. nur Natalie Beiler (2011) schaffte den Sprung ins Finale. Die weiteren Platzierungen sind katastrophal: 20/25, 27/28, 18/18.
So schlimm dürfte es 2013 eigentlich nicht kommen. Shine ist ein absolut konkurrenzfähiger Titel und Natalia Kelly eine überzeugende Interpretin. Mit nur 16 Teilnehmern war es außerdem noch nie so leicht in ein Finale einzuziehen wie dieses Jahr. Wenn das nicht Österreichs Chance ist, was soll dann noch helfen?

Zypern: Despina Olympiou - An me thimasai (60%)




Huiuiui, ick freu mir! Ein semi-transparentes Spitzenkleid. Bis Samstag dann, mein mediterraner Maikäfer!

Montenegro: Who See & Nina Žižić - Igranka



Also, mal unter uns: Ich glaube gar nicht, dass dieser Titel ins Finale kommt. Ich finde ihn nur so abgefahren, dass ich ihn gerne in diesem Posting sehen möchte. Für's Protokoll halte ich hier also fest: der zehnte Startplatz geht an Irland oder Kroatien oder Irland oder Kroatien...an Kroatien!


(Sämtliche hier eingebettete Videos wurden vom Rechteinhaber, dem YouTube-Channel eurovision, zum Einbetten freigegeben. Stand: 13.05.2013, 10.19 Uhr)