Mittwoch, 15. Mai 2013

Semifinale 2 - Auf ein Neues

Nachdem mich meine seherischen Fähigkeiten beim ersten Semifinale im Stich gelassen haben bin ich nun einigermaßen ratlos. Das zweite Semi scheint vier gesetzte Finalisten in spe bereitzuhalten, darüberhinaus ist aber alles möglich. Wie soll ich nur die restlichen sechs richtig heraus picken? Ich versuche es einfach mal, auch auf die Gefahr hin, das Ergebnis vom Dienstag (6/10) noch zu unterbieten.

Griechenland: Koza Mosta feat. Agathonas Iakovidis / Alcohol Is Free (100%)

Den griechischen Finaleinzug wird selbst die Tatsache nicht verhindern können, dass Zypern hier nicht stimmberechtigt ist. Es gibt zwei unumstößliche Wahrheiten beim ESC. 1. Mit der Startnummer 2 kann man nicht gewinnen. 2. Griechenland schafft immer den Einzug ins Finale. So war es, so ist es und so wird es immer sein. Offensichtlich sind sich die Griechen dieses Naturgesetzes durchaus bewusst, anderenfalls hätten sie sich vielleicht doch für einen anderen Song entschieden.

Georgien: Nodi Tatishvili & Sophie Gelovani / Waterfall (90%) 

Schmalztriefende Balladen gehen ja eigentlich immer. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Ralph Siegel bei den Proben hinter der Bühne lauscht und sich denkt "Mist! Das ist so hundertprozentig durchkalkuliert, warum ist mir das nicht eingefallen?". Recht hat er. Dieses schwülstige Machwerk hat es vermutlich wesentlich leichter als sein eigener Beitrag für San Marino.

Azerbaidschan: Farid Mammadov / Hold Me (90%) 

Man wirft Azerbaidschan schon seit Jahren vor, sich ihre ESC-Beiträge ganz bequem und berechnend mit Petro-Dollars einzukaufen. Stimmt natürlich, aber auch gutes Einkaufen ist schließlich eine Kunst. Fragt mal nach bei Guido Maria Kretschmar. Nachdem man in den letzten Jahren vornehmlich auf Liedgut schwedischer Provenienz setzte, hat man diesen Song in Griechenland in Auftrag gegeben. Solider Popsong, der seinen Weg machen wird. Nämlich ohne Umwege ins Finale.

Norwegen: Margaret Berger / I Feed You My Love (90%)

Bis vor wenigen Tagen hätte ich hier noch die 100% für einen definitiven Finaleinzug gezogen. Die Proben haben mich nun ein wenig gebremst. Kann die Margaret das Fernsehpublikum wirklich auf ihre Seite bringen? Der elektronische Stil verlangt natürlich nach einer vergleichsweise kühlen Inszenierung, aber so richtig mitreißend kommt das Ganze halt nicht rüber. Nimmt man nun aber mal die musikalische Qualität zum Maßstab, darf es an einem Erfolg eigentlich keinen Zweifel geben.

Finnland: Krista Siegfrids / Marry Me (70%)

Es gab Zeiten, da habe ich den Finnen vorgeworfen, sich zu wenig um eine fernsehtaugliche Inszenierung zu bemühen. Der Auftritt von Geir Rönning 2005 ist da ein gutes Beispiel. Das kann man dem diesjährigen Beitrag nun sicher nicht vorwerfen. Wenn ein Song so plakativ auf das Vorbild Katy Perry Bezug nimmt, muss auf der Bühne natürlich auch ordentlich was abgehen. Allzu billiges Schmierentheater wird aber in diesem Jahr scheinbar weder vom Publikum, noch von den Juroren goutiert. Serbien mag da als warnendes Beispiel dienen. Es wäre dem Unterhaltungswert für das Finale aber sehr zuträglich wenn Finnland sich qualifizieren könnte. Nur Balladen wirken auf Dauer doch etwas einschläfernd.


Israel: Moran Mazor / Rak bishvilo (60%) 

Kaum ein Thema brachte die Fanwelt während der ersten Probenwoche so sehr in Wallung wie Morans Kleid. Wenn es nichts anderes zu kritisieren gibt, dann sollte ja alles in Ordnung sein. Möglicherweise könnte Israel aber das balladeske Überangebot zu schaffen machen. Sind die Zuschauer bereit, sich auf drei weitere melodramatische Minuten einzulassen? Vermutlich kann man sich aber auf die Juries verlassen, die Morans Stimmgewalt zu schätzen wissen werden.

Rumänien: Cezar / It's My Life (55%) 

Achtung, jetzt wird's absurd! Cezar steht scheinbar auf einer riesigen Plazenta und präsentiert seine teilrasierte Frontansicht. Während er die obere Hälfte ordentlich gestutzt hat, verläuft in südlicher Richtung ein haariger Pfad und weist uns den Weg zum...wir wollen's gar nicht wissen. Dabei singt er in den höchsten Tönen, was ihm als Countertenor nicht schwer fallen sollte. Unter normalen Umständen würde eine solche Aufführung für handfeste Tumulte im Auditorium sorgen, aber hey, it's Eurovision! Und da wird so was auch gerne schon mal mit dem Einzug ins Finale belohnt.


Mazedonien: Esma Redzepova & Vlatko Lozano / Pred da se razdeni (51%)  

So langsam gehen mir die aussichtsreichen Kandidaten aus und auch die Mazedonier stehen ziemlich auf der Kippe. Das erste Semifinale hat gezeigt, dass Ex-Jugoslawien es dieses Jahr nicht leicht hat. Hier sehen wir allerdings einen echten regionalen Star. Esma steht seit über 50 Jahren auf der Bühne und bringt uns hier zum ersten Mal in der ESC-Geschichte Gesang in der Sprache der Roma zu Gehör. Für den zeitgenössischen Anteil an diesem Titel steht auch hier mal wieder ein Casting-Show Teilnehmer. In der Blütezeit des Ethnopop wäre das ein sicherer Finalist gewesen, heute scheint das aber leider nicht mehr en vogue zu sein. Ich drücke die Daumen, bin aber nur mäßig zuversichtlich.


Malta: Gianluca Bezzina / Tomorrow (51%)

Nett und charismatisch ist er ja, der Herr Bezzina. Dazu stimmt er ein beschwingtes Sommerliedchen an, das nicht nur wegen der Untermalung durch eine Ukulele an Jack Johnson erinnert. Ich bin mir wirklich nicht sicher ob das reicht um sieben Kontrahenten hinter sich zu lassen, aber mangels Alternativen setze ich mal auf ihn.


Lettland: PeR / Here We Go (51%)

Nun traue ich mich das, was ich mir beim ersten Semi noch verkniffen hatte. Ich tippe auf einen Song, dessen große Chance einzig in seiner absoluten Chancenlosigkeit liegt. Mein Litauen heißt hier also Lettland. Das liegt nicht nur geographisch gleich um die Ecke sondern hat in relativ untalentierten Interpreten noch eine nicht unerhebliche Parallele aufzuweisen. Dafür scheint es ja einen Markt zu geben. Mutig sind sie immerhin. Wer garantiert ihnen denn, dass bei der geplanten Crowdsurfing-Aktion das dafür unbedingt benötigte Publikum nicht längst Reißaus genommen hat? 


(Sämtliche hier eingebettete Videos wurden vom Rechteinhaber, dem YouTube-Channel eurovision, zum Einbetten freigegeben. Stand: 15.05.2013, 17.19 Uhr)