Samstag, 11. Mai 2013

Die heiße Phase

Nun ist also die 2013er Edition bereits in vollem Gange. Seit fünf Tagen laufen die Proben und wie üblich, versuche ich alle aktuellen Wasserstandsmeldungen aufzusaugen. Wird die junge Dame aus Israel tatsächlich das unvorteilhafte Kleid aus der Vorentscheidung tragen? Beginnt der Rumäne seinen Auftritt wirklich auf einem Berg aus Schinken stehend? Wird der 95-jährige Schweizer bis zum Beginn des ersten Semifinals durchhalten? Das sind alles wichtige Fragen, die man bei der Erstellung von hieb- und stichfesten Prognosen in Betracht ziehen muss. Und um Prognosen und Wahrscheinlichkeiten geht es hier schließlich. Ich kann mich in den zwei Wochen vor dem eigentlichen Hauptereignis regelrecht in Listen, Tabellen und Wettquoten verlieren. Der Jahrgangssampler wird rauf und runter gehört. Es werden schon mal Punkte verteilt und im Zweifel die Auftritte aus den nationalen Vorentscheidungen noch mal zu Rate gezogen.
Eine solch merkwürdige Obsession kann leicht zu Vereinsamung führen. Glücklicherweise ist Inkki (für evtl. neue Leser: meine Frau!) ähnlich veranlagt und hat ebenso viel Spaß an diesen rituellen Zwangshandlungen wie ich. Fein säuberlich hat sie unsere Votingblätter der letzten Jahre abgeheftet und bis heute ist es mir noch immer nicht wirklich gelungen, ihr ganz individuelles Votingschema zu durchschauen. Sie vergibt 1 bis 10 Punkte. Mache ich auch. Dann benutzt sie auch noch Abstufungen wie z.B. 8,5 Punkte. Mache ich auch. Zusätzlich (und jetzt wird’s exzentrisch!) vergibt sie dann auch noch 9- oder 8+ und verzichtet weiterhin auf die Verteilung von 1 bis 4 Punkten. Alles klar? Mir nicht! Das soll wohl irgendwie ans finnische Schulbenotungssystem angelehnt sein. Ich finde es jedenfalls Jahr für Jahr wieder amüsant und nutze es für permanente Frotzeleien. Über den Zwischenstand meiner halb-wissenschaftlichen Erhebungen werde ich mich die Tage noch mal auslassen. Aber eins sei schon mal verraten: Deutschland wird nicht gewinnen!